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Schnüffelstoffe

1. Inhalte

  • Bedeutung der Schnüffelstoffe
  • Arten von Schnüffelstoffen
  • Konsumarten
  • Wirkungsweise
  • Verkehrsrelevante Wirkungen
  • Zu achten auf...
  • Toxikologischer Nachweis

2. Bedeutung der Schnüffelstoffe

Schnüffelstoffe spielen als Verkehrsunfallursache in der Statistik kaum eine Rolle. Gelegentlich werden sie von Drogenabhängigen als Drogenersatz gebraucht. Sie haben für sich ein Suchtpotential, d.h. eine Abhängigkeit von Schnüffelstoffen allein ist möglich.

3. Arten von Schnüffelstoffen

Bei Schnüffelstoffen handelt es sich um eine heterogene Gruppe vorwiegend industriell hergestellter Lösungsmittel.

Sie können in 3 Gruppen eingeteilt werden:

  • Leicht flüchtige Lösungsmittel
  • Aerosole
  • Medizinisch genutzte flüchtige Stoffe

3.1 Leicht flüchtige Lösungsmittel

Leicht flüchtige Lösungsmittel sind die wichtigste Gruppe der Schnüffelstoffe. Sie sind in einer Vielzahl von frei verfügbaren Produkten enthalten. Eine Verwendung als Schnüffelstoff ist allerdings vom Hersteller nicht vorgesehen.

Es handelt sich hierbei z.B. um

  • Benzin
  • Kunststoffkleber ("Plastikleim")
  • Farben, Lacke
  • Verdünner
  • Terpentinersatz
  • Nagellackentferner

Es handelt sich zumeist um ein Substanzgemisch, woraus unterschiedliche Wirkungen resultieren.

3.2 Aerosole

Aerosole sind Gase mit darin feinst verteilten festen oder flüssigen Stoffen. Als "Sprays" sind sie in Industrie und Haushalt weit verbreitet.

Die Sprühdosen lassen nicht unmittelbar an Mißbrauch denken, denn es handelt sich um:

  • Haarspray
  • Deodorant
  • Insektenspray
  • Enteisungsspray
  • Topf- und Pfannenreiniger
  • Sprühlack

3.3 Medizinisch genutzte flüchtige Stoffe

Diese Gruppe von Schnüffelstoffen wird wahrscheinlich sehr selten mißbräuchlich genutzt.

Es handelt sich

1. um Narkosemittel:

  • Äther
  • Chloroform
  • Lachgas

2. um Mittel gegen Angina Pectoris (Herzkranzgefäßverengung):

  • Amylnitrit
  • Butylnitrit
  • Isobutylnitrit

Sie werden auch als "Poppers" bezeichnet.

4. Konsumarten

Die Schnüffelstoffe werden eingeatmet und über die Schleimhäute der Atemwege, besonders aber über die Lungen resorbiert. Um eine geeignete Wirkung zu erreichen, müssen die Atemöffnungen von Mund und Nase sehr nahe an das Lösungsmittel herangebracht werden.

Als Schnüffelstoffe mißbrauchte Lösungsmittel werden zumeist in den Originalgefäßen aufbewahrt, sie können jedoch auch in Getränkeflaschen umgefüllt sein.

Eine inhalative Aufnahme kann auf verschiedene Weise erfolgen:

Bei Nagellackentferner muß beispielsweise lediglich die Flasche geöffnet werden, um die Dämpfe einatmen zu können. Zur einfacheren und wiederholten Aufnahme können derartige Lösungsmittel auch auf Lappen, Taschentücher oder Papierhandtücher gegeben werden. Dadurch verdampft das Lösungsmittel wesentlich rascher und die Wirkung setzt schneller ein.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Schnüffelstoff in Plastik- oder Papiertüten aufzubewahren und sich diese zum Einatmen über Mund und Nase oder über den ganzen Kopf zu stülpen. Dabei kann durch Bewußtseinstrübung der Erstickungstod eintreten.

Aerosole können direkt in den Mund oder auch in Tüten gesprüht und dann eingeatmet werden.

5. Wirkungsweise

Im amerikanischen Sprachgebrauch werden Schnüffelstoffe auch als "deliriants" bezeichnet. Der Ausdruck ist abgeleitet von "Delirium", ein Zustand, der durch Bewußtseinstrübungen, Verwirrtheit, Sinnestäuschungen und Wahnvorstellungen gekennzeichnet ist.

Die Wirkung der Schnüffelstoffe hängt von der Substanz bzw. dem Substanzgemisch ab. Sie ist insbesondere von der Dosis und der individuellen Verträglichkeit abhängig. Sie setzt wegen der schnellen Passage der Wirkstoffe von der Lunge zum Gehirn sehr rasch ein.

Die Wirkungsdauer ist unterschiedlich. Bei Klebstoffen, Farben, Lacken und Benzin beträgt sie bis zu mehreren Stunden. Die Wirkung von Lachgas läßt nach spätestens 5 Minuten nach. Die Poppers (Amylnitrit und Butylnitrit) besitzen eine Wirkungsdauer von einigen Sekunden bis zu 20 Minuten.

Die Wirkungsdauer kann länger als die Nachweisbarkeit des Schnüffelstoffes im Blut anhalten.

Es können stimulierende, sedierende oder halluzinogene Wirkungen erzielt werden. Bei der folgenden Aufzählung bleibt dieser Unterschied unberücksichtigt.

5.1 Vom Konsumenten empfundene Wirkungen

  • Rauschzustände ähnlich dem Alkoholrausch
  • Benommenheit, Schwindel
  • Gestörtes Raum- und Zeitgefühl
  • Gestörte Farbwahrnehmungen
  • Halluzinationen (akustisch und optisch)
  • Starke Kopfschmerzen

5.2 Nach außen hin feststellbare Wirkungen

  • Euphorie, Selbstüberschätzung, Leichtsinn
  • Aggressives Verhalten, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen
  • Verwirrtheit
  • Konzentrationsstörungen
  • Koordinationsstörungen
  • Aufmerksamkeitsstörungen
  • Schläfrigkeit
  • Schwächeanfälle
  • Übelkeit

6. Verkehrsrelevante Wirkungen

  • Euphorie, Selbstüberschätzung, Leichtsinn
  • Konzentrationsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, verspätete Reaktionen
  • Benommenheit, Schwindel, Schläfrigkeit
  • Gestörtes Raum- und Zeitgefühl
  • Halluzinationen, Illusionen

7. Toxikologischer Nachweis

Der Nachweis vieler - aber nicht aller - Schnüffelstoffe ist im Blut möglich. Im Urin erfolgt der Nachweis von Stoffwechselprodukten. Die Nachweisbarkeitsdauer im Blut ist zumeist nur kurz und unter Umständen sogar kürzer als die Wirkungsdauer. Es ist somit bei entsprechendem Verdacht darauf zu achten, daß die Blutprobe besonders rasch nach dem Vorfall entnommen wird. Nach Möglichkeit sollte daher eine zusätzliche Urinprobe gesichert werden, da der Nachweis im Urin länger als im Blut möglich ist.

8. Zusammenfassung

Schnüffelstoffe

erzeugen rauschartige Zustände, die Fahruntüchtigkeit zur Folge haben.

Nachweisbar

ist das "Schnüffeln" nur sehr kurzzeitig.

Die Wirkungsdauer

ist u.U. länger als die Nachweisdauer im Blut.

Blut- und Urinprobe

sind bei Verdacht auf Schnüffelstoffe unverzichtbar.

Diese Ausführungen wurden den Schriftenreihen der bast entnommen.